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Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokumentes immer auf folgende
URN: urn:nbn:de:bvb:20-opus-28045
URL: http://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/volltexte/2008/2804/


Vulnerabilitätsabschätzung der erdbebengefährdeten Megacity Istanbul mit Methoden der Fernerkundung

Vulnerability assessment of the earthquake prone mega city Istanbul utilizing remote sensing methods

Taubenböck, Hannes

pdf-Format:
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SWD-Schlagwörter: Fernerkundung , Entscheidung bei Risiko , Stadt
Freie Schlagwörter (Deutsch): urbane Räume , Vulnerabilität
Freie Schlagwörter (Englisch): Remote Sensing , urban areas , risk management , vulnerability assessment ,
CCS - Klassifikation: Region gro , Pattern an , Structural , Object rec , partitioni
Institut: Institut für Geographie und Geologie
Fakultät: Philosophische Fakultät I (Histor., philolog., Kultur- und geograph. Wissensch.)
DDC-Sachgruppe: Geowissenschaften
Dokumentart: Dissertation
Erstgutachter: Dech, Stefan (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 25.06.2008
Erstellungsjahr: 2008
Publikationsdatum: 04.07.2008
Kurzfassung auf Deutsch: Urbane Räume zählen zu den dynamischsten Regionen dieser Erde. Besonders Megacities
zeigen bereits heute Trends und Dimensionen der Urbanisierung, deren regionale und
globale Folgen noch kaum vorhersehbar, und erst ansatzweise erforscht sind. Die enorme
räumliche Konzentration von Menschen, Werten und Infrastruktur auf engem Raum ist für
diese urbanen Räume die Grundlage einer hohen Verwundbarkeit (Vulnerabilität). Gerade im
Kontext von Naturgefahren potenzieren sich die Risiken, die durch den schnellen strukturellen,
sozioökonomischen und ökologischen Wandel entstehen.
Das übergeordnete Ziel dieser Dissertation ist daher die Analyse von Potentialen der
Fernerkundung zur Abschätzung von Risiko und Vulnerabilität am Beispiel der erdbebengefährdeten
Megacity Istanbul.
Um die Zielstellung systematisch zu verfolgen, wird ein konzeptioneller, thematischer Leitfaden
entwickelt. Dieser besteht aus einer Systematisierung der abstrakten Überbegriffe ‚Risiko’,
‚Vulnerabilität’ und ‚Gefährdung’ in einem Indikatorensystem. Konkrete, messbare Indikatoren
für das System ‚urbaner Raum’ erlauben eine quantitative Abschätzung von Einzelaspekten,
addieren sich aber auch zu einer ganzheitlichen Perspektive des Risikos. Basierend
auf dieser holistischen Idee, erlaubt das Indikatorensystem Potentiale, aber auch Limitierungen
der Fernerkundungsdaten und Bildverarbeitungsmethoden für die Abschätzung
von Risiko und Vulnerabilität zu identifizieren.
Anhand des Leitfadens werden zielgerichtet Methoden zur automatisierten Extraktion
räumlicher Informationen aus Fernerkundungsdaten entwickelt. Ein objektorientierter, modularer
Klassifikationsansatz ermöglicht eine Landbedeckungsklassifikation höchst aufgelöster
Daten im urbanen Raum. Dieses modulare Rahmenwerk zielt auf eine einfache und schnelle
Übertragbarkeit auf andere höchst auflösende Sensoren bzw. andere urbane Strukturen. Zur
Anpassung der Methoden werden neben IKONOS Daten der Megacity Istanbul und der erdbeben-
und tsunamigefährdeten Küstenstadt Padang in Indonesien, Quickbird Daten für die
zukünftige Megacity Hyderabad in Indien getestet. Die Resultate zeigen die detaillierte und
hochgenaue Erfassung kleinräumiger, heterogener urbaner Objekte mit Genauigkeiten von
über 80 %. Auch mittel aufgelöste Landsat Daten werden mit einem objektorientierten modularen
Rahmenwerk mit hohen Genauigkeiten klassifiziert, um komplementäre temporale und
gesamtstädtische Analysen hinzuzufügen. Damit wird eine aktuelle, flächendeckende und multiskalige Informationsbasis generiert, die als Ausgangsprodukt zur Analyse urbaner Vulnerabilität
dient.
Basierend auf diesen Informationsebenen werden dem konzeptionellen Leitfaden folgend
Indikatoren zur Abschätzung von Vulnerabilität und Risiko extrahiert. Der Fokus ist dabei die
Entwicklung von Methoden zur automatisierten, interpreterunabhängigen Ableitung vulnerabilitäts-
und gefährdungsrelevanter Indikatoren. Die physische Analyse des kleinräumigen
urbanen Raums konzentriert sich dabei auf die Typisierung des Gebäudebestandes mit Parametern
wie Dichte, Höhe, Alter, Größe, Form sowie Dachtyp. Indirekt wird zudem mittels
dieser Parameter die Bevölkerungsdichteverteilung abgeleitet. Weitere Standortfaktoren ergeben
sich aus Lageparametern wie Distanzen zu Hauptverkehrsachsen, Freiflächenanalysen
oder der Geländeoberfläche.
Schließlich führt die Vulnerabilitätsabschätzung den modellhaften, thematischen Leitfaden
mit den abgeleiteten Indikatoren zusammen. Dazu erfolgt eine Normierung der unterschiedlichen
abgeleiteten Indikatoren auf einen einheitlichen Vulnerabilitätsindex. Dieser zielt auf
eine räumliche und zeitliche Vergleichbarkeit und die Möglichkeit, die vielfältigen Informationsebenen
zu kombinieren. Damit wird das Zusammenspiel verschiedenster Indikatoren
simuliert und erlaubt daraus Identifizierung und Lokalisierung von Brennpunkten im Desasterfall.
Über das fernerkundliche Potential hinaus, werden die Resultate in einer interdisziplinären
Methode zu einem synergetischen Mehrwert erhoben. Statt einer quantitativen
Abschätzung der physischen Gebäudeparameter, ermöglicht eine Methode des Bauingenieurwesens
in Kombination mit der fernerkundlichen Gebäudetypisierung eine Abschätzung
der wahrscheinlichen Schadensanfälligkeit von Gebäuden im Falle eines Erdbebens.
Exemplarisch wird das Potential der Resultate für Entscheidungsträger anhand eines Erdbebensszenarios
aufgezeigt. Risiko und Vulnerabilität lassen sich dadurch räumlich sowohl
nach betroffenen Häusern und betroffenen Menschen als auch nach räumlichen Standortfaktoren
wie beispielsweise Zugänglichkeit quantifizieren. Dies ermöglicht gezielt präventiv zu
agieren oder während und nach einem Desaster gezieltes Krisenmanagement zu betreiben.
Im Hinblick auf die zentrale Fragestellung dieser Dissertation lässt sich resümieren, dass
die Aktualität sowie die geometrische und thematische Qualität der Resultate aus Fernerkundungsdaten,
den Anforderungen des komplexen, kleinräumigen und dynamischen urbanen
Raums gerecht werden. Die Resultate führen zu der Erkenntnis, dass das Potential der
Fernerkundung zur Abschätzung von Vulnerabilität und Risiko vor allem in der direkten Ableitung
physischer Indikatoren sowie der indirekten Ableitung demographischer Parameter liegt.
Kurzfassung auf Englisch: Urban areas are among the most dynamic regions on the planet. Specifically megacities
show trends and dimensions of urbanization with hardly foreseeable regional or global consequences
which have so far only been rudimentarily researched. The tremendous spatial
concentration of people, financial value and infrastructure is the reason for the high vulnerability
of urban areas. Especially in combination with natural hazards, risks emerging from
rapid structural, socio-economic and ecological changes in the complex urban landscape
increases dramatically.
The central goal of the dissertation is therefore the analysis of the capabilities of remote
sensing to assess risk and vulnerability in the case of the earthquake prone
megacity Istanbul.
Systematic analysis of the overall goal involves the development of a thematic, conceptual
guideline. The concept leads to the concretization of abstract terms like ‘risk’, ‘vulnerability’
and ‘hazard’, resulting in a system of indicators which are capable of quantitative measurement.
The indicators for the system ‘urban area’ enable a quantitative assessment of single
aspects, but also add up to a holistic perspective of risks. By means of this concept the capabilities
and limitations of remote sensing data and image processing methods to assess
risk and vulnerability are identified.
On the basis of this guideline the initial focus is on automated extraction of spatial information
from remote sensing data. An object-oriented, modular classification approach produces
a land-cover classification from high resolution satellite data in complex urban areas. The
modular framework enables fast and easy adjustments to apply the algorithm to different
high resolution data as well as to different urban structures. The transfer of methodology has
been tested on IKONOS data for the megacity Istanbul and for the earthquake prone coastal
town of Padang, Indonesia, as well as for Quickbird data for the incipient megacity Hyderabad,
India. The results show the highly-detailed and high-precision coverage of small-scale,
heterogeneous objects for the manifold urban landscapes with accuracies higher than 80 %.
In addition, medium resolution Landsat data sets are classified with high accuracy also using
an object-oriented and modular classification approach for a complementary temporal and
area-wide analysis. The derived results provide an up-to-date, area-wide and multiscale information
basis, usable as a starting point to analyze vulnerability.Based on this information, indicators of the conceptual guideline are extracted. The development
of methods for an automated and interpreter-independent derivation of indicators
relevant for assessing vulnerability and hazards is the focus. The physical perspective of
vulnerability centers on an analysis of the building stock, classified by parameters like density,
height, age, size, form and roof type. These parameters are indirectly used to derive the
spatial population density distribution. Further location factors result from distances to main
infrastructure, an open spaces analysis, or surface slope.
Eventually the assessment of vulnerability and risks combines the thematic guideline with
the derived indicators. The standardization of the diverse indicators leads to a consistent
index. This enables spatial and temporal comparability as well as the combining of the different
information layers. This simulates the interaction of the various indicators and enables
identification and localization of focal points in the disaster case. Beyond the capabilities of
remote sensing an interdisciplinary method elevates the results to a synergistic value-added
product. Instead of a quantitative assessment of the physical parameters of structures, civil
engineering, using an area-wide classification of buildings, enables a probabilistic assessment
of damage grades for various building types in case of an earthquake.
An earthquake scenario exemplifies the capabilities of the results to support decisionmakers.
Risk and vulnerability are quantified showing with spatial reference affected houses
and affected people as well as location factors, such as accessibility. This makes possible
specific preventive measures or crisis management during and after a disaster.
The résumé of the central goal of this dissertation concludes, that timeliness, high geometric
resolution and thematic quality of the results from remote sensing data, fully achieve the
requirements posed by the complex, heterogeneous and fast changing urban environment.
The performance shows that the potential of remote sensing to assess risk and vulnerability
centres on the direct derivation of physical parameters and the indirect derivation of demographic
information.

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